Review | Chiemsee-Summer Festival

Ich habe überlebt. Zwischendurch dachte ich ja nicht, aus Deutschland lebend zurück zu kommen.

Alles begann so friedlich am Samstagmorgen mit einer netten Zugfahrt Richtung Chiemsee. Ich war mehr als euphorisch was den kommenden Abend betraf.
Dadurch, dass ich am Vorabend ein bisschen zu lange wach war und ein kleines persönliches Mini-Drama kreieren musste, legte ich mich nach meiner Ankunft im Hotel kurz hin.

Ja, ich bin zu alt für das wahre Festival-Leben. Zelten? Niemals. Verzicht von Sanitärenanlagen? Mein persönliches Ende. Eigentlich schon verrückt, jetzt kann ich mir Festivals leisten, aber bräuchte zwei Wochen, bis ich mich von einer Zeltnacht erholen würde und vom „Durchtrinken“ fang ich erst gar nicht an. Nach einem Sektle bin ich glücklich und am nächsten Tag mache ich dann um Alkohol einen Riesenbogen.

Na gut, zurück zu dem Punkt, wo ich in meinem kuscheligen Hotelbettchen darüber nachdachte, ob ich lieber Garnelen oder Steak essen will. Alles schien nach Plan zu verlaufen. Ich hatte noch bisschen Zeit, also machte ich mich Festival-ready – mein roter Lippenstift durfte nicht fehlen, mein Haar hab ich einfach durchgeschüttelt und meine Regenjacke zur Sicherheit eingepackt.

Im Hotel-Restaurant habe ich mir dann noch mein Steak mit einem wunderbaren Rotwein gegönnt und so ging es gestärkt Richtung Festival-Gelände.

Bildschirmfoto 2014-08-18 um 20.22.49Was dann geschah, wirkt im nach hinein irgendwie unrealistisch.
Als ich am Festival-Gelände ankam, merkte ich schon, dass alle Gummistiefel trugen und ich mit meinen Kangaroos hier einpacken konnte. Ich watete durch den Gatsch, der einen wie Treibsand fast verschlungen hätte. Dem nicht genug, begann es zu schütten. Ich suchte verzweifelt das Pressezelt oder irgendwen, der mir nur ansatzweise helfen konnte. Jeder Security schickte mich zu einem anderen Ziel. Ein Alptraum. Den Tränen schon sehr nahe, fand ich einen Gummistiefelverkäufer. Neben den sexy Gummistiefeln, habe ich mir auch noch drei Paar Socken gekauft und ja, habe alle anziehen müssen, so kalt war es.
Dann ging es zu meinem eigentlich Ziel: Aussie.
Bei der Aussie Erlebniswelt hab ich mir die Haare waschen lassen und bin dann zu Bela B. Dank M., haben wir uns das Konzert hinter der Bühne angesehen und so hatte ich auch komplette Bein-Tanz-Freiheit. Ohne richtig nachzudenken, tauschte ich ein nettes Lächeln mit einem der Zuseher aus, aber dann dämmerte es mir, dass war doch — Campino. Ja, der Sänger von den Toten Hosen und mein Teenager-Traummann stand vor mir. Ich japste nach Luft und überlegte noch, soll ich ihn ansprechen? Ja, nein? Was tun???
Mein Kopf rauchte, er lächelte Imme noch rüber. Ich nahm meinen Mut zusammen und fragte, ob es möglich wäre, ein Foto zu bekommen. Fast hätte ich ihm noch meine Teenager-Liebe gestanden, aber dann habe ich seinen Sohn bemerkt, dem das merklich peinlich war, dass sein Dad nach Fotos gefragt wurde.
Das Konzert endete und Bela B. gesellte sich zu uns nach hinten. Sein grüner Anzug hat mich in den Bann gezogen. Da stand er Teenie-Traum Nr. 2. Ich frag mich wirklich, was aus meinen Faible für Punk-Väter in jungen Jahren über mein heutiges Männerbild aussagt, aber gut, eine andere Geschichte. Er lächelte uns an, wollte gerade gehen, und ich wieder „Darf ich ein Foto mit Ihnen machen?“ Kam mir schon ein bisschen wie ein Bildergroupie vor. Bela B., lässig wie sonst wer, sagte ja klar und verpasste mir ein Küsschen, bevor wir das Foto machten. Das erklärt auch meinen Grinser auf dem Bild.
Später am Abend sah ich ihn wieder beim Essen und er zwinkerte mir zu, seit dem höre ich meine Ärzte-Alben wieder rauf und runter.

Bildschirmfoto 2014-08-18 um 20.23.04 Bildschirmfoto 2014-08-18 um 20.23.26Der Regen ließ nach und wir starteten zu Macklemore. Ich bin eigentlich kein großer Fan von ihm, aber dadurch, dass man dank Radio & Co., jedes Lied mitsingen kann, fand ich es dann doch ganz gut. Er hat ein bisschen viel geredet, aber ist jetzt nicht so, dass ich ihn unbedingt singen hören musste. Meine Begeisterung galt seinen Oberarmen, die mehr als perfekt schienen. Ja, ich habe einen seltsamen Faible für Oberarme und Wangenknochen bei Männern, dass ist mein persönliches Pendant zu Hintern und Brüsten.
Als er dann unter einem Handtuch versteckt, an mir vorbei rauschte, war es auch Zeit für mich zu gehen.
Und da begann die Schwierigkeit: Der Shuttlebus war komplett überfüllt und so wie es aussah, würden auch die nächsten drei Busse voll sein. K. rief mir ein Taxi,welches nach 45 Minuten noch immer nicht kam. Meine Euphorie verflog und ich war missmutig und wollte nur mehr eine warme Dusche. Ich ging also zum nächsten Bahnhof, ca. 300 Meter entfernt. Als ich also am Weg war, bemerkte ich ein extremste hohes Aufkommen von Feuerwehrmännern und der Polizei.
Was war geschehen? Der Festival-Shuttlebus war komplett ausgebrannt, jener Bus, in dem ich mich reinquetschen wollte. Mein Herz blieb fast stehen. Ausgebrannte Busse riechen im übrigen wie Silvester, was irgendwie schön war. Es wurde ja auch niemand verletzt, Gott sei Dank!

Meine Suche nach einem Taxi endete damit, dass ich gemeinsam mit drei Bayern in letzter Sekunde eines erwischt habe und dann Richtung Traustein fuhr. Im Taxi selbst wollte ich meine Mitreisende töten, nicht nur, dass mir ihr „Boarisch“ sowas von am Keks ging, nein Mitreisende Nr.3 hatte auch keine Kohle dabei und nichts zuhause, weshalb ich sozusagen ihre Heimreise gezahlt habe. Aber gut. War mir in der Sekunde auch egal, weil Mitreisender Nr.1 für sich und seine Freundin die andere Hälfte zahlte. Ich wollte nur mehr unter meine heiße Dusche und ins Bett, das tat ich dann auch. Es war beinahe vier Uhr morgens und gestartet habe ich meine kleine Reise zurück ins Hotel um Mitternacht.

Bayern kann mir jetzt mal gestohlen bleiben. Unfähige Polizei, die wegen Gras einen Aufstand machen, als ob es sich um Meth handelt, aber einem nicht mal sagen kann, wie man in den nächsten Ort kommt. Nicht, dass ich rauchen würde, aber am Festival-Gelände gab es mehr Polizei als bei der Pizzeria-Räumung in Wien und wenn nicht ebenso viele Zivilpolizisten. Übrigens, die einzigen, die ca. so alt waren wie ich. Der Rest des Publikums war max. 19 Jahre alt. Dementsprechend fielen die älteren Semester, mit Bandshirts aus dem letzten Jahrzehnt auf, welche sehr unauffällig die Menge beobachteten.

Was ich aber an Bayern wirklich schön fand, die Landschaft war ein Traum. Genau mein Ding, leicht hügelig und mit wunderschönen Bergen als Panorama.

Das war meine Festival-Geschichte. Ausgebrannter Bus, Matsch und ich mitten drin.

Danke an alle, die mir diese wunderbare Erinnerung verschafft haben. Egal wie schlimm es um vier Uhr morgens war, ich will nichts davon missen.

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